Andreas Dobler - Ojo Vagabundo

26.03 - 08.05.2022

Vagabundieren

  1. Leben ohne festen Wohnsitz – «er vagabundiert seit Jahren».
  2. Umherziehen ohne festes Ziel – «vagabundiert durch die Welt»

Andreas Dobler (*1963 Biel, lebt und arbeitet in Zürich) vagabundiert nicht nur durch unsere Welt, sondern auch zwischen den Welten. Durch die unzähligen Entdeckungen sowie Begegnungen, welche seine transzendenten Wanderungen begleitet haben, hat er sich ein kulturübergreifendes Wissen angeeignet, das als mystisches Fluidum in seine künstlerische Arbeit einfliesst. Aus diesen kulturellen Beutezügen bringt Dobler Souvenirs aus Urzeiten mit, wie den Schrei des Cthulhu, welchen er auf die Bühne der attischen Tragödie trägt und mit Paradigmen der Gegenwart vermischt.

Sein künstlerisches Schaffen fluktuiert zwischen Malerei, Zeichnung, Skulptur, Druckgraphik, Objekten, visueller Poesie sowie Songwriting.

So wandert auch das Auge des Betrachters in der Zeit umher, springt von Emblem zu Emblem, wenn es dem unersättlichen Auge des Künstlers folgt.

Das Auge («ojo») selbst stellt – in fast allen Zeiten und Kulturen – ein relevantes metaphysisches Symbol mit höchst unterschiedlichen semantischen Bedeutungen dar: Das Spektrum reicht vom «sündigsten aller Organe» bis hin zum apotropäischen Mittel («Unheil abwehrend»). Eine seit der Antike weitverbreitete Vorstellung des Schadenzaubers ist der sogenannte «böse Blick», welchem der Künstler mit seinen psychedelischen Paradiesvorstellungen das Augenlicht raubt. In der Manier eines Zuckerbäckers garniert Dobler seine physischen Arbeiten mit heilenden und neugotisch anmutenden Verflechtungen aus petrifizierten Kirschen und astralen Sahnehäubchen und öffnet uns damit das Tor zu seiner eigenwilligen Individualmythologie.