Bestiarium Helveticum

«Ein Bestiarium (zu lateinisch bestia, ‹[wildes] Tier›) ist eine mittelalterliche Tierdichtung, die moralisierend tatsächliche oder vermutete Eigenschaften von Tieren, auch Fabelwesen, allegorisch mit der christlichen Heilslehre verbindet.»

Der Bieler Künstler Christoph Rihs gastiert im Kunsthaus Steffisburg als Kurator des ersten Ausstellungszyklus. Mit dem Zyklus «Bestiarium Helveticum» bespielt er das Kunsthaus Steffisburg während neun Monaten mit einer bunten Folge von Inszenierungen, bevölkert von Wesen und Bildnissen, die darauf warten, aus der Form auszubrechen und sich in den brachliegenden Leerstellen einzunisten.

Christoph Rihs’ kuratorisches Programm umfasst verschiedene Ausstellungen zum Thema «Bestiarium Helveticum» und startet mit einer gleichnamigen Gruppenausstellung. Mickry 3, Monsignore Dies, Olivier Estoppey, Pavel Schmidt und Selina Baumann sind eingeladen, mit ihren Skulpturen ihren eigenen Beitrag zum Bestiarium beizusteuern und das alte Bushaus am Rande des Dorfplatzes zu beleben. Die erste Ausstellung beleuchtet das Thema des Bestiariums mit Skulpturen und fantastischen Wesen. Das kuratorische Konzept erlaubt dem Bushaus, seine ursprünglichen architektonischen Grenzen auszudehnen, zugunsten einer Form, in welcher Künstlerinnen und Künstler Raum finden, die Grenzen des Denkbaren auszureizen. Die Bespielung des Bushauses findet im Aussenbereich wie auch im ehemaligen Warteraum statt. Die Skulpturen des «Bestiarium Helveticum» schmücken die Dachkante ganz im Sinne der Villa Palagonia in Bagheria, Sizilien. Goethe war im 18. Jahrhundert von deren Grundstückgestaltung zutiefst angewidert, André Breton wiederum schätzte ihre surrealen Phantastereien. Heute scheint sie zumindest unter Künstlern eine fast ebenbürtig visionäre Kraft auszustrahlen, wie der Sacro Bosco die Bomarzo.

Auf die erste Gruppenausstellung folgen weiter Ausstellungen von Kunstschaffenden , die mit ihren Arbeiten in diesem Thema heimisch sind oder sich damit auseinandersetzen wollen. Sie spannen den Bogen zwischen erfundenen, erlogenen und wirklich existierenden Wesen weiter, kundschaften die Steffisburger Zwischenräume aus und füllen dise mit ihren Arbeiten und Wesen. Die Belebung des Kunsthauses Steffisburg durch das «Bestiarium Helveticum» soll Raum für Unvorhergesehenes bieten und so die eine oder andere Überraschung an den Tag bringen. So haben sich die weiteren Ausstellungen schrittweise entwickelt, immer auch von den Gegebenheiten, Gelegenheiten und Aktuellem gelenkt.

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